Der nächste Jerusalem-Marathon ist am 15.03.2019

Warum bist du in Israel?

Diese Frage bin ich gewohnt, aber diesmal wurde sie besonders oft gestellt. Die sonst überfüllte Ankunftshalle am Ben Gurion Airport war überschaubar. Kaum Wartezeiten. Die Frage: „Warum bist du in Israel?“ klang von der Zöllnerin an der Passkontrolle ernst. Am Zoll antwortete ich: „Der Grund meiner Reise ist eine Laufveranstaltung in Jerusalem“ und wurde durchgewunken.


Der Taxifahrer zum Beispiel wartete meine Antwort gar nicht erst ab, und fing an, über die fehlerhafte Nachrichtenpolitik der ausländischen Presse zu schimpfen: Die Gäste bleiben weg, und wie viele, musste auch er sich einen Nebenjob aufgrund der damit verbundenen Einbußen besorgen. Nur wenige Touristen sah ich in den engen, bunten Gassen der Jerusalemer Altstadt. Auch an meinem Lieblingsplatz, dem Mahane Yehuda Markt sah ich kaum Besucher aus aller Welt, wie es sonst üblich ist.
Gerne hätte ich den fragenden Blicken folgendes erklärt: Es ist ein Wunder, dass es den Staat Israel gibt, ein Beweis der Existenz Gottes. Knapp 2000 Jahre war das Volk Israel in der ganzen Welt zerstreut, und hat sich in den letzten 140 Jahren wieder an seinem ursprünglichen Platz versammelt. Dass das so eintrifft, wird an vielen Stellen im Alten Testaments vorhergesagt. Uns Christen ist Israel als der Ort bekannt, wo Jesus geboren wurde, lebte und schließlich gekreuzigt wurde. Der Erlöser von unserer Sünde lebte hier. Aber im Laufe der Geschichte verschwand Israel so langsam von den Kanzeln der Kirchen und Gemeinden. An deren Stelle trat ein Gedankengebäude, dass die guten Verheißungen des Alten Bundes jetzt den Christen gelten, die Strafankündigungen Gottes sich aber an dem jüdischen Volk erweisen, dessen besondere Stellung wir jetzt eingenommen haben. Mit der Gründung des Staates Israel am 14.05.1948 war diese „Ersatztheologie“ hinfällig, weil Gott seine Versprechungen an Abraham, Isaak und Jakob nicht verändert hat, sondern sie vor den Augen der ganzen Welt erfüllt. Dennoch, so scheint es, fällt es vielen Christen schwer, diesen Schritt in Gottes Heilsgeschichte mitzugehen. Im Gegensatz zu den Aussagen des Neuen Testamentes, z.B. indem wir als Gläubige aus den Nationen aufgefordert werden, das Volk Israel als Wurzel unseres Glaubens zu achten und zu respektieren. Ohne die Wurzel können wir vieles nicht verstehen, weil auch das NT ein jüdisches Buch ist, auch wenn viele Juden es noch nicht anerkennen. Unser Gott ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (Apg. 3,13) An dieser Stelle sei ein kurzer Blick in unsere Geschichte erlaubt, wo wir nicht weit zurückblättern müssen, um hier kollektives, totales Versagen zu erkennen. Als Nation und Christen haben wir beginnend von der Kirchengeschichte, den Kreuzzügen bis zum Ende des dritten Reiches uns hieran versündigt. Und in unserer Gesellschaft kleidet sich heute der Antisemitismus in „Antizionismus“, also in Opposition gegen den Staat Israel. „Warum bist du in Israel?“ Deshalb, weil ich mit meiner Reise bekunde, dass der Staat Israel die Legitimation von dem Gott hat, der Himmel und Erde erschaffen hat. Mit Schweigen, weil mir die Worte fehlen besuche ich Holocaustüberlebende und deren Nachkommen, und höre ihnen zu. Und so stell ich mich meiner Verantwortung als Deutscher. In der Bibel, Matthäus Kapitel 25, Vers 39 und 40 steht: „Wann haben wir dich krank gesehen, oder im Gefängnis, und sind zu dir gekommen? Und der König wird ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Die Bibel, Schlachter Übersetzung, Version 2000)

Matthias Aeilts

Bericht:  Israelheute 04/2018